Vereinsinformation

Mindestens seit der Nachkriegszeit hat es in Weilersbach eine Fasnet gegeben. Hauptsächlich am Fasnetsamstag/-Sonntag waren die jungen Burschen und Männer im Freien unterwegs gewesen, ganz ohne oder mit nur einfachen Verkleidungen. In manchen Jahren hatten sie sogar einen Wagen geschmückt, auf dem sie mit Handmusik durch die Straßen zogen waren, das Fuhrwerk soll mitunter – aus heutiger Sicht - kuriosen Antrieb gehabt haben!

Zu sehen war auch der „Willerschbacher Bär", eine Einzelfigur mit einem Häs aus Sackstoff, welches ausgestopft mit Stroh ihn zu einer imposanten Erscheinung machte. Der Bär trug eine handgefertigte Scheme aus Pappmaschee. Begleitet wurde er vom „Trieber", einem bäuerlich gekleideten Gesellen, häufig ebenfalls mit Scheme und einer schwarzen Strickmütze, der „Zettelkappe". In den 50er Jahren kamen in Weilersbach auch die Dominos auf, welche aus schwarzem Stoff dreiteilig (Hose, Oberteil, Haube mit Maske) genäht wurden. Über die Alltagskleidung getragen waren sie zusammen mit Handschuhen die perfekte Verkleidung, die auch auswärts über Land zum Tanz mitgenommen werden konnte.

In Weilersbach gab es sogar eine Saalfasnet: viele Jahre hatte am Fasnetsamstag unser Musikverein zum Fasnetball in den Saal des Gasthauses Hirschen eingeladen, am Fasnetmontag dann der Männergesangverein „Liederkranz" zum Sängerball ebenda. Mehr und mehr waren die Besucherzahlen beider Bälle zurückgegangen, beeinflusst sicherlich durch die immer größer werdende Mobilität der Bevölkerung sowie das wachsende Angebot an Veranstaltungen „in der Stadt".

So gab zunächst der Musikverein, später unser Liederkranz Ende der 1980er Jahre seine Veranstaltung auf. Jetzt meldete Rolf Kammerer, damaliger Stadtrat, Ortschaftsrat und engagierter Unternehmer, sich zu Wort, man werde doch wohl 1 Fasnetball zustande bringen, in gemeinsamer Anstrengung aller Vereine! Dies gelang tatsächlich, der „Ball der Vereine" im Hirschensaal wurde 1995 ein großer Erfolg und bestätigte, dass in den Weilersbachern eine tüchtige Portion Fasnetgoascht steckt!

In den darauffolgenden Wochen wurde über die Gründung einer Narrenzunft beraten. Drei Arbeitsgruppen bearbeiteten verschiedene Entwürfe, den größten Anklang fand die Figur eines Bauern, vorgestellt als „Äpfelschüttler" nicht zuletzt aufgrund der heimischen Streuobstwiesen. In der Gründungsversammlung am 18.11.1995 erhielt die Weilersbacher Narrenfigur den endgültigen Namen „Epfelschittler".

Die Motivation und der Tatendrang der 57 Gründungsmitglieder war so groß, dass bereits in den ersten Vereinsjahren zahlreiche Fasnetaktivitäten und Rituale aus der Taufe gehoben wurden, die bis heute ihren festen Platz im „Willerschbacher Fasnetkalender" haben.

Das Häs des Epfelschittlers besteht aus folgenden Teilen: schwarze Ribilihose (Länge 1 Handbreite unter Knie), badisch gelbe und rote Stulpen, schwarze Arbeitsschuhe. Kittel aus Sackstoff. An die ausdrucksstarke Scheme, von Bildhauermeister Michael Mayer aus Hüfingen geschnitzt und gefasst, wird die Blätterhaube geknöpft. Jeder Epfelschittler fertigt diese aus einem einheitlichen Basisstoff und 135 Filzblättern in den Farben grün/gelb/orange/braun, die Anzahl ist jeweils vorgegeben. Die Filzblätter werden fächerartig auf den Basisstoff genäht. Für die Anbringung der Farben gibt es keine Regel, auf diese Art wird die Blätterhaube individuell gestaltet. Die Farben symbolisieren den Wechsel der Jahreszeiten. Den Abschluss am Hals vorn bildet ein rotes Bauerntuch. Der schwarze Filzhut mit grünem Blatt und 2 roten Äpfeln schützt bei jedem Wetter. Schwarze Wollhandschuhe sind Pflicht. Die Utensilien des Epfelschittlers sind der Epfelhoke oder ein naturfarbener Korb. Im Umzug verschenkt er Äpfel. Das Narrenhäs ist in vollem Umfang Eigentum der Zunftmitglieder. Schemenpflicht besteht für Mitglieder, die am Dreikönigstag 16 Jahre oder älter sind. Die Narrenzunft bietet allen Epfelschittlern unter 16 Jahren die Möglichkeit, einen Kittel aus dem Zunftfundus zu leihen. Die Anprobe für den Narresome findet Ende November statt und ist jedes Jahr eine spannende Angelegenheit.